Der Hass-Thread

Ich habe zu einer früher ganz guten Freundin ewig keinen Kontakt mehr gehabt. Hat sich total auseinandergelebt. Haben in den letzten drei Jahren ungefähr fünf Nachrichten geschrieben, inklusive Geburtstags- und Weihnachtswünschen. Nachdem sie mir jetzt geschrieben hatte „lass uns unbedingt mal wieder telefonieren!“, sagte ich ihr freundlich, dass ich daran derzeit kein Interesse hätte, weil ich das Gefühl habe, dass ich nicht wüsste was ich erzählen soll beziehungsweise auch nicht wüsste, was ich von ihr wissen wolle. Ich sagte, man habe sich schlicht auseinander gelebt, das sei aber auch nichts schlimmes und dass ich finde, dass wir es dabei belassen sollten.

Sie macht mir jetzt eine totale Szene, dass ich unsere Freundschaft töten würde nach allem was wir erlebt hätten und wie sehr sie verletzt sei und dass sie sowas von mir nicht erwartet hätte. Sie meinte, es wäre ja o.k., wenn sich sowas auseinanderlebe, aber so eine Absage sei verletzend. Hat eine 10 Minuten Sprachnachricht per WhatsApp geschickt.

Ja aber es hat sich doch auseinandergelebt!! Sie hat zwischendurch ein Kind gekriegt und geheiratet, was ich hinterher erfahren habe. Unsere Leben sind wie zwei verschiedene Universen. Wie zum Fick kann man denn derart überreagieren? Ich hab es zumindest mit einer freundlichen Erklärung beendet und sie nicht geghostet.

Ich bin ja großer Fan des Minimalismus und dazu gehört für mich auch, auf toxische Beziehung und Smalltalk gänzlich zu verzichten. Und dieses einmal im Jahr telefonieren und berichten, was so passiert ist, ist für mich so ziemlich das sinnloseste, was es gibt. Insofern no regrets!

Könnte mich aber wirklich stundenlang über diesen Vorwurfston aufregen. :triumph:

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Ich hasse die meisten Frauen und befreunde auch quasi nie welche.

Kenne das auch, aber da wars aktives Ghosting von ihr. Ausseinanderleben ist ja das eine, das man dann so reagiert ist einfach unverständlich. Vor allem wenn sie den Kontakt zu einem selbst quasi von einem Tag auf den anderen loswerden aber dann bei dem Typen dich wochen- und monatelang vollheulen weil sie nicht wissen was sie tun sollen. Statt dann genau das dort auch zu machen, wird dann erst ganz lange überlegt und dann kommt der Punkt recht plötzlich.

Ist aber sowieso faszinierend wie es Frauen oft schaffen, in den toxischen Beziehungen mit ihren Arschlochfreunden jahrelang festzuhängen aber andere Bindungen quasi mit einem Wimpernschlag zu beenden. Kann das mittlerweile auch nicht mehr ernst nehmen.

Würde eher sagen, dass das bei deinem Fall so eine harte Reaktion war, weil sie erwartet hat, das sie nachdem sie sich entschieden hat dir wieder Platz in ihrem Leben zu geben zu erwarten, dass du sie sofort wieder in den Mittelpunkt nimmst. Die Reaktion war zwar richtig, aber nicht das, was sie erwartet hat. Vielleicht ist sie in der Beziehung auch unglücklich und sucht wieder einen (muss ja nicht mal sexuell sein) Ankerpunkt außerhalb.

Bloß nicht drauf einlassen, also alles richtig gemacht. Wenn wieder alles cool ist, sind sie wieder weg.

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Mittlerweile muss ich sagen, dass ich nicht glaube, dass rein platonische Beziehungen zwischen Männern und Frauen nicht funktionieren. Das Problem ist nämlich, dass du in einer sexlosen quasi-beziehung mit der Frau bist, wenn sie Single ist (und wenn es natürlich eine enge Freundschaft ist, muss man dazu sagen), aber sobald ein neuer Stecher kommt, bist du abgemeldet. Und du selbst checkst erst nach Jahren das da eigentlich die Tür in dem Moment aufgestanden hätte und wenn du sie hättest halten wollen, halt was mit ihr anfangen hättest müssen.

Du bist sonst immer nur zweite Geige, es geht einfach nicht. Habs lang genug versucht.

So allgemein würde ich das nicht formulieren, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass m/w-Freundschaften dann am besten funktionieren, wenn der Mann und die Frau sich äußerlich gegenseitig überhaupt nicht ansprechen

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Ich gehörte lange, lange Zeit auch zu denen, die dem vehement sogar widersprochen haben, aber nach dem letzten Fall mit dem Ghosting (einer wirklich, wirklich guten Freundin, nach fünf-sechs Jahren Freundschaft mit nahezu über Jahre aufgebauten Vertrauen und Zutrauen) ist dieses Thema für mich gestorben. Ne leichtfertige Aussage ist das für mich also nicht, das ist schon wohl überlegt. Und auf hartem Weg gelernt.

Diese Erfahrung habe ich aber genauso mit Männern als Freunden gemacht, die dann eine Partnerin hatten.

Ich habe in der Zeit, wo ich diese Geschichte hatte, mit einer damals besten Freundin (platonisch, wo das am Ende aber leider genau in eine komplizierte Richtung lief und bis heute irgendwie nicht abgeschlossen bin) und dem Ghosting-Fall jetzt eine extrem gute Männerfreundschaft aufgebaut, die trotz der Wirrungen in Politik, Leben und (bei ihm) schon drei Beziehungen in diesem Zeitraum stets eine war, bei der ich eine wichtige Rolle einnehme, wo ich ernst genommen werde und eben nicht zweite Geige bin. Und die steht bis heute, trotz Freund, Feind, Parteifreund und so weiter.

Komischerweise gehts da schon. Und ich denke es ist die sexuelle Komponente, die komplett fehlt. Was mich zu meinem vorherigen Urteil führt.

Ist das nicht das, was Civitas weiter oben bzgl Frauen auch gesagt hat? o.O

Wenn die Kombination lesbisch und schwul befreundet ist, würde ich sagen, da ist meine Aussage vermutlich auch ausgenommen.

Ansonsten würde ich widersprechen, da eine gewisse Anziehung dort immer da sein wird. Mindestens von einer Seite. Ob das aktiv verfolgt wird oder nicht spielt da in meinen Augen keine Rolle, irgendwann kommt der Moment und dann wirds ein Problem.

Ich hatte,auch mal so ein Exemplar. Wir kannten uns schon lange und sie hat nie etwas auf die Reihe bekommen. Als sie dann in Hartz4 gelandet war habe ich sie unterstützt. Immer wenn sie wieder mal einen Freund hatte meldete sie sich nicht mehr.
Vor ein paar Monaten meldete sie sich nach über einem Jahr wieder. Sie war zu ihrem Freund nach Bayern gezogen. Die Beziehung ging natürlich wieder schief. Sie bat mich sie zu holen.
Ich sagte nö keine Zeit. Seitdem habe ich natürlich nichts mehr gehört.
Ist auch gut so.

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Was genau meint ihr mit „Ghosting“?

Unter dem Begriff Ghosting (engl. „Geisterbild“, „Vergeisterung“) versteht man in einer zwischenmenschlichen Beziehung (Partnerschaft oder Freundschaft) einen vollständigen Kontakt- und Kommunikationsabbruch ohne Ankündigung. Obwohl vorher etwa Dates stattgefunden haben oder eine Beziehung bestand, laufen plötzlich jegliche Kontaktversuche ins Leere.[1]

Ist so n Millenials-Schwachsinn. Ist aber ne miese Nummer, die den anderen ziemlich kaputt machen kann.

Ok, zu meiner Jugend hätte man also gesagt „man hat sich auseinander gelebt“. Alles klar :smiley:

Das trifft auf einen Großteil meines damaligen Freundeskreises zu. Von den Leuten aus meiner Jugend habe ich nur noch mit zwei Leuten regelmäßigen Kontakt - und für die bin ich ein Stück weit ein Ankerpunkt zur Außenwelt.

Nein, dann missverstehst du aber den Begriff. Es geht um ur-plötzliches, nicht für den gegenüber nachvollziehbares Abbrechen jeglichen Kontaktes. nicht „hat sich halt ergeben das man sich nicht mehr versteht oder nichts mehr zu sagen hat“ sondern „Eigentlich war alles super und am nächsten Tag war es vorbei, keine Ahnung warum“.

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Ne, gemeint ist intensiver Kontakt und dann plötzliches totstellen

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Das ist einfach die mieseste Scheiße, die du ohne wirklich tätig werden zu müssen, sogar durch das Ausbleiben einer Handlung im Grunde, jemanden anderes antun kannst psychisch.

Weils halt auf jeglicher Ebene keinen Sinn macht und das kann dich schon ziemlich fertig machen, vor allem wenn es jemand mit engem Bezugspunkt zu dir war, der einfach von einem Tag aus dem anderen aus deinem Alltag verschwindet, ohne das was war. Naja, natürlich zerbrichst du dir den Kopf darüber ob du was falsch gemacht hast

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Es kann auch gute Gründe dafür geben. Zum Beispiel seelischen Missbrauch. Jemandem, der mir bewusst schlechtes tut, bin ich keine Rechtfertigung schuldig.

Für Ghosting? Nein. Bei seelischen Missbrauch deutet sich das an, da ists imho auch kein Ghosting, und da ist das auch was anderes. Es ist ja tatsächlich dieses „Man versteht sich richtig gut und dann drückt man sich vor der Frage, wie es weitergeht“, was ja oft das Motiv dafür ist. Egal ob es jetzt die Konfrontation damit ist, das man eben nicht befreundet bleiben kann, weil die neue Beziehung mit der vielleicht-Beziehung mit dem besten Freund clashed und man sich vor der Entscheidung drückt. Oder einfach generell solche Fragen in die Richtung. Es ist einfach eine Unart, eine Art der Unverbindlichkeit, Ignoranz und auch Selbstbezogenheit, die mich an der Generation nd den jüngeren noch viel mehr ganz schön ankotzt.

Voraussetzung ist erst mal, ihn zu erkennen. Die Erkenntnis, dass man missbraucht wird kann auch schlagartig kommen.

Die von dir zitierte Definition bezieht sich auf zwischenmenschliche Beziehung. Das kann auch eine missbräuchliche Partnerschaft oder Eltern-Kind-Beziehung sein.
Wenn ein misshandeltes Kind mit 18 auszieht und jegliche Kontaktaufnahme verweigert, entspricht das deiner obigen Definition.

Und wenn eine misshandelte Frau nach langer Zeit der Unterdrückung, den Mut fasst endlich die Beziehung zu beenden, sollte sie sich nicht den Vorwurf des Ghostings gefallen lassen müssen.